how about beergarding tonight?

Eine Mail diesen Inhalts erhielt Anja heute mittag (32 Grad) von ihrem besten Freund.

Es gibt, und das erwähne ich, weil ja nicht unbedingt jede Leserin/jeder Leser dieser Zeilen aus meinem Gau stammt, eine bayerische Biergartenkultur. Ich traue mich fast zu sagen, dass es eine bei weitem nicht wirklich bayerische, sondern sogar rein münchnerische Kultur ist. Umland eingeschlossen, dies aber nur im oberbayerischen.

"Biergarten", das nämlich ist Inbegriff von urbaner Gemütlichkeit, biologischen Schattenspendern und freundlich-derbem Publikum. Dazu kommt - und das macht jetzt den wirklichen Biergarten aus - dass der Gast nur das Getränk dort kauft, sein Essen aber selbst mitbringen und verzehren kann. Und tatsächlich auch selbst mitbringt und verzehrt. Da packen also die Weiberleit fröhlich aus, stellen Radieserl, Obazten, Essiggurken, Leberkas und feines Brot aus der Hofpfisterei auf den Tisch, während die Mannsbilder ihren geliebten Gerstensaft in den bekannten, etwas zu groß geratenen Maßkrügen am Ausschank holen und den Damen selbstverständlich ihre Radlerhalbe mitbringen.

Kein normaler Mensch, erst recht kein Betriebswirtschaftler, käme heute auf die Idee, so etwas zuzulassen. Was da an Geschäft entgeht! Du darfst ja heute kaum in einer Kneipe sitzen, ohne etwas zu bestellen. Aber eigenes Essen mitbringen? - Eben das unterscheidet Gewinnmaximierung von Kultur (und dass die Biergärten rammelvoll sind und das Speisenangebot trotz allem genügend wahrgenommen wird, ist klar).

Als ich vor fünf Jahren von München nach Augsburg zog, waren die Biergärten das einzige, was ich vermisst hab (naja ok, einen Augsburger Regionalteil in der SZ hätt ich auch gern gehabt). Zwar in Bayern, aber eben im schwäbischen Teil, gibt es diese Kultur hier praktisch nicht. Die hiesigen Biergärten (sie nennen sich so) sind in Wirklichkeit Freischankflächen (so nennt sie der Gesetzgeber *g*). Man sitzt halt draußen, meist unter Sonnenschirmen irgendeiner hippen Zigarrettenmarke, und bestellt das übliche Convenience-Food. Außer mir und ein paar anderen Versprengten vermisst ja vermutlich auch keiner etwas. Der Augsburger ist nicht sehr anspruchsvoll.

Und doch: Ein paar wenige Biergärten gibt es auch in Augsburg. Echte Biergärten, in die ich zum gepflegten Picknick gehe und trotzdem ein frisch gezapftes Helles bekomme. Das Lueginsland (bevor MAN sein Hochhaus davorgeklotzt hat, konnte man bestimmt schön weit ins Land luegen (= gucken)), der parklounge-Biergarten oder am Stadtrand der Stadtberger Hof.

Anjas Antwort war übrigens ebenso knapp wie erfreulich:

Au ja!